Digitalisierung
Digitalisierung in der Pflege: Unbesetzte Stellen sollen Technik finanzieren
Zusammenfassung
Die Digitalisierung in der Pflege könnte künftig einen neuen Finanzierungsweg erhalten. Nach dem Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sollen stationäre Pflegeeinrichtungen einen Teil nicht besetzbarer Personalstellen in sogenannte Transformationsstellenanteile umwandeln können. Das Geld dürfte dann für nachweislich entlastende technische und digitale Systeme eingesetzt werden.
Der geplante neue Paragraf 113e SGB XI sieht vor, dass vollstationäre Pflegeeinrichtungen zwischen […] Der Beitrag Digitalisierung in der Pflege: Unbesetzte Stellen sollen Technik finanzieren erschien zuerst auf mednic.de - News aus Medizin, Digital Health & IT.
Im Detail
Die Digitalisierung in der Pflege könnte künftig einen neuen Finanzierungsweg erhalten. Nach dem Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sollen stationäre Pflegeeinrichtungen einen Teil nicht besetzbarer Personalstellen in sogenannte Transformationsstellenanteile umwandeln können. Das Geld dürfte dann für nachweislich entlastende technische und digitale Systeme eingesetzt werden.
Der geplante neue Paragraf 113e SGB XI sieht vor, dass vollstationäre Pflegeeinrichtungen zwischen 2028 und 2032 für bis zu zehn Prozent bestimmter Personalstellenanteile einen finanziellen Gegenwert vereinbaren können. Voraussetzung ist, dass die entsprechenden Stellen nicht besetzt werden können.
Die Mittel sollen ausschließlich in technische oder digitale Systeme fließen, die Pflege- und Betreuungspersonal unterstützen oder entlasten. Damit würde erstmals ein Teil der regulären Personalausstattung rechnerisch in Technik überführt. Der Gesetzentwurf spricht ausdrücklich von „fiktiven Transformationsstellenanteilen“.
Sie gelten in der Pflegesatzvereinbarung als gleichwertig zu regulär zu besetzenden Stellen, finanzieren aber keine Ersatzkräfte, sondern den Einsatz geeigneter technischer Systeme.
Digitalisierung in der Pflege nur mit nachgewiesener Entlastung
Welche Anwendungen finanziert werden dürfen, soll nicht jede Einrichtung selbst bestimmen. Das geplante Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege soll bis Ende September 2027 einen Katalog geeigneter Systeme erstellen. Voraussetzung für die Aufnahme sollen wissenschaftliche Erkenntnisse oder systematische Praxisevaluationen sein, die eine entlastende Wirkung auf Pflegepersonal belegen.
Der Katalog soll anschließend vierteljährlich aktualisiert werden. Das Verbändebündnis „Digitalisierung in der Pflege“, dem unter anderem Organisationen aus Pflege, Sozialwirtschaft und Gesundheits-IT angehören, nennt als mögliche Anwendungen beispielsweise sprachbasierte Dokumentation, Sensorik, digitale Tourenplanung und automatisierte Dienstplanung.
Welche dieser Lösungen tatsächlich in den vorgesehenen Katalog aufgenommen würden, ist bislang offen.
Verbände fordern höhere Quote
Das Bündnis begrüßt den neuen Finanzierungsansatz, hält die vorgesehene Obergrenze von zehn Prozent jedoch für zu niedrig und fordert eine Umwidmung von mindestens 50 Prozent. Zudem sollen nach Auffassung der Verbände neben Anschaffungskosten auch Betrieb, Wartung und Schulungen dauerhaft refinanziert werden.
Gefordert werden außerdem verbindliche Interoperabilitätsstandards und möglichst geringe zusätzliche Nachweispflichten. Der Gesetzentwurf enthält zugleich Schutzvorgaben: Der Einsatz digitaler und technischer Systeme darf die Pflegequalität nicht beeinträchtigen, die Selbstbestimmung pflegebedürftiger Menschen nicht einschränken und die Versorgungssicherheit nicht gefährden.
Die Auswirkungen der Regelung sollen wissenschaftlich evaluiert werden.
Der Hintergrund ist ein wachsender Versorgungsbedarf. Ende 2023 waren in Deutschland bereits 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig. Nach Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes könnte ihre Zahl – abhängig von den zugrunde gelegten Annahmen – bis 2070 auf rund 6,9 bis 7,7 Millionen steigen.
Weitere Informationen: bvitg
Der Beitrag Digitalisierung in der Pflege: Unbesetzte Stellen sollen Technik finanzieren erschien zuerst auf mednic.de - News aus Medizin, Digital Health & IT.