IT-Sicherheit
Hackerangriff auf Medizinplattform MyDr legt Gesundheitsdaten von 19 Millionen Polen offen
Zusammenfassung
Ein Cyberangriff auf den polnischen Medizindienstleister MyDr legte Gesundheitsdaten von bis zu 19 Millionen Bürgern offen. Tags: #Cyber Crime | #Hackerangriffe aktuell | #Polen
Im Detail
Ein Cyberangriff auf den polnischen Medizindienstleister MyDr legte Gesundheitsdaten von bis zu 19 Millionen Bürgern offen.
MyDr betreibt eines der größten polnischen Systeme für elektronische Patientendokumentation und arbeitet mit Tausenden Arztpraxen und Kliniken im ganzen Land zusammen. Erste Hinweise auf den Angriff erhielt das polnische Fachportal Zaufana Trzecia Strona bereits am 10.
August direkt von den mutmaßlichen Angreifern, die angaben, im Besitz von Datensätzen zu 18.814.422 eindeutigen PESEL-Nummern zu sein, der polnischen Entsprechung der Sozialversicherungsnummer, sowie insgesamt mehr als 2,5 Terabyte an Daten. Zum Nachweis ihrer Behauptungen ließen die Angreifer das Portal die PESEL-Nummern von vier freiwilligen Testpersonen aus der Branche überprüfen.
MyDr selbst bestätigte am selben Tag öffentlich, einen schwerwiegenden Sicherheitsvorfall im eigenen Netzwerk zu untersuchen.
Vizepremier und Digitalminister Krzysztof Gawkowski berief daraufhin umgehend das gemeinsame Cybersicherheits-Einsatzzentrum ein und bestätigte am 13. August auf einer Pressekonferenz das Ausmaß des Vorfalls. Er erklärte dazu:
„Es kam zu einem außergewöhnlichen Datenleck, das sich auf fast 19 Millionen Personen erstreckt.“
Krzysztof Gawkowski, Vizepremier und Digitalminister von Polen
Die entwendete Datenbank umfasse mehr als 2 Terabyte und enthalte unter anderem Informationen zu ausgestellten Rezepten, vereinbarten Arztterminen, verordneten Medikamenten sowie bei Ärzten vorgelegten Dokumenten. Gawkowski bezeichnete den Vorfall als einen der bedeutendsten Cybersicherheitsvorfälle in der Geschichte Polens.
Politiker-Daten von MyDr als Beweis vorgelegt
Um die Echtheit der erbeuteten Daten zu demonstrieren, übermittelten die Angreifer polnischen Medien nach Angaben von Cybernews die PESEL-Nummer, zwei Telefonnummern sowie eine Liste von 25 verschriebenen Rezepten eines nach eigener Beschreibung der Angreifer besonders bedeutenden polnischen Politikers.
Gawkowski bestätigte diese Angaben auf Nachfrage, machte jedoch keine weiteren Details öffentlich.
Nach Einschätzung des Ministers gebe es derzeit keine Hinweise auf einen politisch motivierten Angriff, mit großer Sicherheit stünden stattdessen finanziell motivierte Cyberkriminelle hinter dem Vorfall. Eine Zahlung an die Erpresser oder ein Rückkauf der gestohlenen Daten durch den Staat schloss er ausdrücklich aus, zur konkret geforderten Summe äußerte er sich nicht.
Regierung richtet eigenes Prüfportal ein
Die polnische Regierung kündigte an, betroffenen Bürgern über das Portal bezpiecznedane.gov.pl eine Möglichkeit zu bieten, selbst zu überprüfen, ob die eigenen Daten von dem Leck betroffen sind, sobald die gestohlenen Datenpakete vollständig gesichtet und zusammengeführt sind.
Bis dahin empfiehlt Gawkowski allen Bürgern, ihre PESEL-Nummer vorsorglich über die App mObywatel oder direkt bei der zuständigen Gemeindeverwaltung sperren zu lassen, ein nach seinen Worten nur rund fünf Sekunden dauernder Schritt.
MyDr selbst erklärte in einer eigenen Mitteilung, die betroffenen Daten stammten überwiegend aus dem Jahr 2024 oder früher und beträfen nicht zwangsläufig sämtliche Kunden und Patienten des Unternehmens, eine abschließende Bestätigung von Umfang und Art der offengelegten Daten stehe noch aus.
Sicherheitsexperten warnen vor den besonderen Risiken eines derartigen Lecks: Anders als Passwörter oder Zahlungskarten lassen sich einmal offengelegte Gesundheitsdaten und PESEL-Nummern nicht einfach austauschen.
Neben klassischem Identitätsdiebstahl befürchten Fachleute vor allem Betrug mit verschriebenen Medikamenten sowie gezielte Erpressung Einzelner anhand persönlicher Behandlungsdaten, bei prominenten Betroffenen wie Politikern zusätzlich einen möglichen Missbrauch für politische Zwecke.
(red)
Tags: #Cyber Crime | #Hackerangriffe aktuell | #Polen