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Einstiegsjobs in Deutschland brechen drastisch ein
Zusammenfassung
Eine Analyse zeigt, dass Einstiegsjob-Anzeigen in Deutschland seit 2022 um mehr als zwei Drittel eingebrochen sind, Ausbildungsplätze bleiben stabil. Tags: #Deutschland | #Jobs
Im Detail
Eine Analyse zeigt, dass Einstiegsjob-Anzeigen in Deutschland seit 2022 um mehr als zwei Drittel eingebrochen sind, Ausbildungsplätze bleiben stabil.
Eine aktuelle Analyse der Jobplattform Indeed zeigt, wie stark sich das Stellenangebot für Berufseinsteiger in Deutschland seit 2019 verändert hat. Demnach sind Ausschreibungen für Einstiegsjobs seit 2022 deutlich stärker eingebrochen als der Gesamtmarkt, während Ausbildungsplätze robust geblieben sind.
Höchststand 2022, seither starker Rückgang
Für die Analyse wertete Indeed Stellenausschreibungen in Deutschland seit 2019 aus und betrachtete dabei drei separate Wege in den Arbeitsmarkt: klassische Einstiegsjobs für Berufseinsteiger, Praktika und Werkstudierendenstellen sowie Ausbildungsplätze einschließlich dualer Studiengänge.
Bis 2022 stieg das Angebot an Einstiegsjobs zunächst stark und erreichte im Juli jenes Jahres mit einem Plus von 75 Prozent gegenüber 2019 seinen Höchststand.
Seitdem sind die Ausschreibungen um mehr als zwei Drittel gefallen. Der Gesamtmarkt gab im selben Zeitraum ebenfalls nach, verlor jedoch nur rund ein Drittel, konkret 39 Prozent.
Im Vergleich zum Referenzjahr 2019 waren im Juli 2026 am Gesamtmarkt noch 8 Prozent mehr Stellen ausgeschrieben, während es bei Einstiegsjobs 46 Prozent weniger und bei Praktika sowie Werkstudierendenstellen 24 Prozent weniger waren.
Marketing, IT und Projektmanagement am stärksten betroffen
Der Rückgang zieht sich durch fast alle Branchen: In 26 von 28 untersuchten Berufsgruppen ist das Angebot an Einstiegsjobs seit 2022 gesunken, in 23 davon stärker als am Gesamtmarkt. Am stärksten betroffen sind Wissens- und Bürojobs. Im Marketing sank das Angebot um 75 Prozent, bei IT-Anwendungen und -Lösungen um 77 Prozent und im Projektmanagement um 60 Prozent.
Zwei Wachstumsbereiche als Ausnahme
Lediglich zwei Berufsgruppen verzeichneten seit 2022 ein Plus: Pflege, Medizin und Pharmazie mit 18 Prozent sowie Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie mit 10 Prozent. Gerade im letztgenannten Bereich führt der Berufseinstieg allerdings häufig über eine Ausbildung statt über einen klassischen Einstiegsjob.
Anders stellt sich die Lage bei Ausbildungsplätzen einschließlich dualer Studiengänge dar. In der Saison 2025/26, also von August 2025 bis Juli 2026, waren rund 50 Prozent mehr Ausbildungsplätze ausgeschrieben als 2019. Seit der Saison 2023/24 geht das Angebot zwar leicht zurück, liegt aber weiterhin deutlich über dem Niveau des Referenzjahrs.
In 20 von 23 vergleichbaren Berufsgruppen entwickelte sich das Angebot an Ausbildungsplätzen seit 2019 besser als das Angebot an Einstiegsjobs für Personen mit abgeschlossener Qualifikation. In der Softwareentwicklung etwa gingen die Einstiegsjobs um 70 Prozent zurück, während die Zahl der Ausbildungsplätze zuletzt 27 Prozent über dem Wert von 2019 lag.
Kein eindeutiger Zusammenhang mit KI
Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin bei Indeed, ordnet die Ergebnisse so ein:
„Wer heute ins Berufsleben startet, hat nur noch gut halb so viele Stellen zur Auswahl wie vor wenigen Jahren. Damit steigt für junge Menschen das Risiko, ihre Karriere mit einer Phase der Beschäftigungslosigkeit zu beginnen.
Aus Studien wissen wir, dass dies langfristige Narben in ihren Erwerbsbiografien hinterlassen kann, etwa in Form niedrigerer Gehälter, die sich später nur schwer aufholen lassen. Es droht ein Jahrgang, der mit einem Startnachteil ins Erwerbsleben geht.
Die Frage, inwiefern künstliche Intelligenz eine Rolle spielt, ist berechtigt: KI kann Routineaufgaben übernehmen, die traditionell von Berufseinsteigern erledigt wurden.
Doch anhand der aktuellen Datenlage lässt sich ein KI-Effekt bislang nicht belegen. Der Rückgang bei den Einstiegsjobs begann bereits im Sommer 2022, also bevor ChatGPT überhaupt erschien. Berufseinsteiger sind vordergründig das erste Opfer der schwachen Konjunktur, weil Unternehmen in unsicheren Zeiten zuerst dort sparen, wo sie in Nachwuchs investieren müssten.
Die wirksamste Hilfe für diese Generation ist deshalb eine Wirtschaft, die wieder wächst.“
Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin bei Indeed
Einordnung zwischen Studium und Ausbildung
Sondergeld weist zudem darauf hin, dass ein Einstiegsjob nach einem Hochschulabschluss und ein Ausbildungsplatz zwei unterschiedliche Bildungswege beziehungsweise Stufen des Berufseinstiegs darstellen.
Akademiker hätten bislang bessere Gehaltsaussichten und Aufstiegsmöglichkeiten gehabt, doch könne es sich gerade in einer schwachen Konjunktur für junge Schulabgänger lohnen, ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt und den Weg über die Hochschule gegeneinander abzuwägen.
Dass Unternehmen auch in schwächeren Jahren an der Ausbildung festhalten, trage dazu bei, dass Deutschland weiterhin eine der niedrigsten Jugendarbeitslosenquoten in Europa aufweise. Dieser Vorteil bleibe jedoch nur bestehen, wenn Ausbildungsinhalte mit der KI-Transformation Schritt halten und Auszubildende nicht Aufgaben lernen, die in wenigen Jahren eine Maschine übernehmen könnte.
(red/Indeed)
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