Software & KI
Offener Brief: Aus für Palantir-Verträge gefordert
Zusammenfassung
Mehr als 120 europäische Gewerkschaften und Gruppen wollen, dass Regierungen ihre Verträge mit Palantir kündigen. EU-Kommissar Kubilius lobt das Unternehmen. Tags: #EU | #Palantir
Im Detail
Mehr als 120 europäische Gewerkschaften und Gruppen wollen, dass Regierungen ihre Verträge mit Palantir kündigen. EU-Kommissar Kubilius lobt das Unternehmen.
Mehr als 120 Gewerkschaften und Organisationen aus Europa fordern die Regierungen des Kontinents auf, die Zusammenarbeit mit dem US-Softwareunternehmen Palantir Technologies zu beenden.
In einem offenen Brief verlangen sie von den nationalen Regierungen und der Europäischen Kommission, alle bestehenden Verträge im öffentlichen Sektor aufzulösen und die Verbindungen zu dem Unternehmen dauerhaft zu kappen. Unterzeichnet haben Organisationen aus mehreren EU-Mitgliedstaaten sowie aus Albanien, Armenien, der Schweiz, der Türkei und Großbritannien.
Veröffentlicht wurde der Brief von der britischen Organisation Global Justice Now.
Kritik an Überwachung und Militäreinsatz
Die Unterzeichner argumentieren, dass Regierungen die Software von Palantir für Überwachung, vorhersagende Polizeiarbeit und KI-gestützte Kriegsführung einsetzen.
„Die Bilanz des Unternehmens sollte es von der Beteiligung an den Abläufen und dem Funktionieren demokratischer Regierungen ausschließen. Dennoch hat es in ganz Europa Aufträge im öffentlichen Sektor erhalten, vom Gesundheitswesen bis zum Militär und zur Polizei.“
Offener Brief
Zudem kritisieren die Gruppen den Einsatz der Software durch das israelische Militär.
EU-Verteidigungskommissar widerspricht
EU-Verteidigungs- und Raumfahrtkommissar Andrius Kubilius hatte Palantir wenige Tage zuvor in einem Interview mit Euronews als großartiges Unternehmen bezeichnet. Anlass war ein Treffen der Präsidenten Polens und Litauens, Karol Nawrocki und Gitanas Nausėda, mit Palantir-CEO Alex Karp.
KI werde bei der Entwicklung von Verteidigungsdoktrinen zur neuen Normalität und gelte als entscheidend, sagte Kubilius. Die Ukraine setzt die Software unter anderem für Aufklärungsanalysen, Minenräumung und die Planung von Angriffen gegen Russland ein.
Nato nutzt Palantir-System
Die Nato gab im März 2026 bekannt, dass ihr angepasstes Palantir Maven Smart System die volle technische Einsatzfähigkeit erreicht hat und für das geheime Netz des Bündnisses zugelassen ist. Admiral Pierre Vandier, Nato-Oberbefehlshaber für Transformation, erklärte kürzlich, Europa habe keinen echten Konkurrenten für Palantir.
Erste Alternativen in Europa
Einzelne Staaten suchen dennoch nach Alternativen. Das niederländische Verteidigungsministerium erklärte im Juni 2026, eine vollwertige Alternative zur Palantir-Software solle innerhalb von zwei Jahren bereitstehen, ein überstürzter Wechsel würde Sicherheitsrisiken bergen.
Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im Mai 2025 den französischen Anbieter ChapsVision mit Software zur Analyse großer Datenmengen beauftragt. Der französische Konzern Thales hat mit HexaForce ein eigenes Führungs- und Kontrollsystem vorgestellt.
In Deutschland setzen die Polizeien in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen Palantir-Software zur Datenanalyse ein. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2023 die Regelungen zur automatisierten Datenanalyse in Hessen und Hamburg in ihrer damaligen Form für verfassungswidrig erklärt.
(red)
Tags: #EU | #Palantir