Medizintechnik
Humanoide Roboter vor dem Sprung in die Industrie?
Zusammenfassung
Humanoide Roboter entwickeln sich zu einer möglichen Antwort auf den Fachkräftemangel in der Industrie, sind für einen flächendeckenden Einsatz aber noch nicht ausgereift. Tags: #Humanoider Roboter | #Industrie
Im Detail
Humanoide Roboter entwickeln sich zu einer möglichen Antwort auf den Fachkräftemangel in der Industrie, sind für einen flächendeckenden Einsatz aber noch nicht ausgereift.
Entscheidend ist dabei nicht nur die mechanische Leistungsfähigkeit der Maschinen, sondern auch die Kombination aus künstlicher Intelligenz, Edge-Verarbeitung, Sicherheit und geeigneter IT-Infrastruktur, wie Dell Technologies in einer Mitteilung erklärt.
Wenn Roboter menschliche Aufgaben übernehmen
Die Entwicklung humanoider Maschinen habe in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Ein Beispiel dafür war ein Halbmarathon in Peking im April 2026, bei dem rund 300 Roboter an den Start gingen. Trotz Stürzen und Kollisionen zeigte der Wettbewerb, welche Fortschritte die Systeme inzwischen machen.
Auch in der Industrie werde mit den Maschinen experimentiert. Hersteller wie Boston Dynamics, Figure AI, Tesla, Xiaomi und der deutsche Anbieter NEURA Robotics arbeiten an entsprechenden Systemen. Unternehmen wie BMW und Mercedes-Benz testen humanoide Roboter bereits in Produktionsumgebungen.
Das Interesse hat einen konkreten Hintergrund: Viele industrielle Prozesse sind nach wie vor auf menschliche Arbeitskräfte ausgelegt, während gleichzeitig qualifizierte Mitarbeiter fehlen.
Fachkräftemangel erhöht den Druck
Humanoide Roboter könnten laut Dell vor allem dort eingesetzt werden, wo Unternehmen Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. Sie könnten monotone, körperlich belastende oder gesundheitlich problematische Tätigkeiten übernehmen und damit Beschäftigte entlasten.
Dabei gehe es nicht zwangsläufig darum, menschliche Arbeitskräfte vollständig zu ersetzen. Roboter könnten vielmehr bestimmte Aufgaben übernehmen, während Mitarbeiter sich auf Tätigkeiten konzentrieren, die Erfahrung, Kreativität oder komplexe Entscheidungen erfordern.
Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus ihrer Bauweise. Weil humanoide Roboter dem menschlichen Körper nachempfunden sind, können sie grundsätzlich in Umgebungen arbeiten, die bereits für Menschen eingerichtet wurden. Werkzeuge, Maschinen und Arbeitsplätze müssen dafür nicht in jedem Fall vollständig umgebaut werden.
Flexibilität ist ein entscheidender Vorteil
Im Gegensatz zu klassischen Industrierobotern, die häufig auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert sind, sollen humanoide Systeme unterschiedliche Tätigkeiten ausführen können. Ein Roboter könnte dadurch zwischen mehreren Arbeitsschritten wechseln und dort eingesetzt werden, wo gerade Unterstützung benötigt wird.
Auch kurzfristige Ausfälle von Mitarbeitern könnten auf diese Weise zumindest teilweise abgefedert werden. Neue Aufgaben sollen die Maschinen mithilfe von KI erlernen können. Dabei kommen unter anderem reale und synthetische Trainingsdaten sowie Teleoperation zum Einsatz. Bei diesem Verfahren wird der Roboter zunächst von einem Menschen gesteuert, um Bewegungsabläufe zu trainieren.
Hinzu kommt die Möglichkeit eines nahezu kontinuierlichen Einsatzes. Roboter ermüden nicht und benötigen keine klassischen Arbeitspausen. Einschränkungen ergeben sich derzeit vor allem durch Batterielaufzeiten und notwendige Wartungsfenster.
Noch dominieren einfache Aufgaben
Trotz dieser Möglichkeiten sind humanoide Roboter in der industriellen Praxis laut Dell noch weit von einem universellen Einsatz entfernt. Aktuell übernehmen sie vor allem vergleichsweise einfache Tätigkeiten, beispielsweise das Sortieren oder Bereitstellen von Bauteilen.
Eine der größten Herausforderungen ist die technische Komplexität. Sensoren, künstliche Intelligenz, mechanische Komponenten und Steuerungssysteme müssen zuverlässig zusammenspielen. Gleichzeitig müssen sich die Roboter auch bei schlechten Lichtverhältnissen orientieren, auf Unebenheiten reagieren und nach Stößen stabil bleiben.
Besonders anspruchsvoll ist die Feinmotorik. Die menschliche Hand kann eine Vielzahl unterschiedlicher Bewegungen mit hoher Präzision ausführen. Diese Fähigkeiten technisch nachzubilden, stellt die Entwickler vor erhebliche Herausforderungen.
Sicherheit darf nicht zur Schwachstelle werden
Noch wichtiger wird die Sicherheit, wenn Roboter direkt mit Menschen zusammenarbeiten. Bewegungen müssen so gesteuert werden, dass Beschäftigte nicht gefährdet werden. Gleichzeitig müssen technische Fehler und unerwartete Situationen abgefangen werden.
Das Abschalten eines Roboters reicht dabei nicht immer aus. Wenn eine Maschine in einer kritischen Situation abrupt stehen bleibt, könnte sie umkippen und dadurch selbst zu einer Gefahr werden.
Neben der Sicherheit ist auch der Preis ein Hindernis. Humanoide Roboter sind aufgrund ihrer Sensorik, Motoren, Getriebe und Entwicklungskosten derzeit noch teuer. Laut den Angaben im Ausgangsmaterial könnten die Kosten allerdings von derzeit rund 80.000 US-Dollar auf etwa 55.000 US-Dollar sinken.
Das eigentliche „Gehirn“ sitzt am Edge
Für den industriellen Einsatz reicht ein leistungsfähiger Roboterkörper allein nicht aus. Ein wesentlicher Teil der Verarbeitung muss direkt an der Maschine erfolgen. Die KI muss die Umgebung erfassen, Informationen auswerten und innerhalb kürzester Zeit reagieren können.
Dafür spielt Edge Computing eine zentrale Rolle. Werden Entscheidungen erst an entfernte Systeme übertragen und anschließend zurück an den Roboter gesendet, können Verzögerungen entstehen. Bei Bewegungen und sicherheitskritischen Situationen können solche Latenzen problematisch sein.
Die dafür eingesetzten IT-Systeme müssen gleichzeitig robust und kompakt sein. In Produktionsumgebungen müssen sie mit Vibrationen, Staub, Feuchtigkeit und wechselnden Temperaturen zurechtkommen. Außerdem sollte die Hardware möglichst wenig Energie verbrauchen und idealerweise ohne zusätzliche Lüfter auskommen.
Auch die Administration stellt Anforderungen. Da in Produktionsbereichen nicht überall IT-Spezialisten verfügbar sind, müssen Systeme aus der Ferne eingerichtet, überwacht und aktualisiert werden können. Gleichzeitig benötigen sie Schutz vor Manipulationen und unberechtigten Zugriffen.
Offene Plattformen sollen Abhängigkeiten vermeiden
Neben Hardware und KI gewinnt deshalb die zugrunde liegende IT-Architektur an Bedeutung. Dell Technologies sieht offene Plattformen und Ökosysteme als einen wichtigen Baustein für die Entwicklung.
Chris Kramar, Director & General Manager OEM Solutions DACH bei Dell Technologies, beschreibt humanoide Roboter als Teil der sogenannten Physical AI. Für ihren industriellen Einsatz komme es auf das Zusammenspiel von Daten, Simulation, Edge-Inferenz und Sicherheit an:
Da viele Innovationen von spezialisierten Anbietern kommen und der Markt noch sehr dynamisch und wenig standardisiert ist, sollten Unternehmen unbedingt auf offene Plattformen und Ökosysteme setzen, um Abhängigkeiten zu vermeiden und einzelne Komponenten im Technologiestack bei Bedarf austauschen zu können.
Chris Kramar, Director & General Manager OEM Solutions DACH bei Dell Technologies
Da der Markt noch stark von spezialisierten Anbietern geprägt und wenig standardisiert sei, sollten Unternehmen laut Kramar auf offene Plattformen setzen. Dadurch könnten einzelne Komponenten des Technologiestacks bei Bedarf ausgetauscht werden, ohne eine vollständige Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter aufzubauen.
Der Weg zum industriellen Standard ist noch lang
Humanoide Roboter haben damit das Potenzial, industrielle Prozesse flexibler zu gestalten und Beschäftigte bei körperlich belastenden Aufgaben zu entlasten. Bis sie jedoch zuverlässig eine große Bandbreite menschlicher Tätigkeiten übernehmen können, müssen noch technische, sicherheitsrelevante und wirtschaftliche Hürden überwunden werden.
Entscheidend wird letztlich das Zusammenspiel mehrerer Technologien sein. Erst wenn Robotik, KI, Edge Computing, Sensorik, IT-Sicherheit und geeignete Plattformen zuverlässig zusammenspielen, können humanoide Roboter ihr Potenzial in der industriellen Praxis umfassend ausschöpfen.
(red/Dell Technologies)
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